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21.09.2020

Ein RBN-Gespräch mit Daniel Schnödt, Inhaber der Beratungs- und Coaching-Agentur TeamScio – die Veranstalter des Events „Trendforum Retail“ ist – zur programmatischen Ausrichtung seines Events und den Auswirkungen zunehmender Digitalisierung im Einzelhandel.

 

Retailbrandnews: Herr Schnödt, Ihre Agentur TeamScio ist Veranstalter des „Trendforum Retail“. Erklären Sie uns bitte, welche Intention sich hinter dem Event verbirgt?

Daniel Schnödt: Als Jurymitglied Store of the Year und Kooperationspartner des Trägers HDE als auch Expertenbeirat im Deutschen Ladenbauverband sitze ich faktisch zwischen den Stühlen Handel und Ladenbau. Das Forum ist genau aus diesem Grunde entstanden. Entsprechende Unternehmen und Menschen zusammenzubringen, die gerade dafür eine perfekte Lösung suchen. Der Fokus liegt natürlich auf der digitalen Expertise und damit wird ein sehr breites Feld beleuchtet.

 

RBN: Das „Trendforum Retail“ wird am 7. und 8. Oktober 2020 zum dritten Mal in Frankfurt am Main stattfinden. Um welche Themen wird es bei dieser Ausgabe gehen?

Daniel Schnödt: Trends und Entwicklungen werden durch die Studien der BBE, IFH und dem Trendbüro beleuchtet. Inhaltlich sind Cocreation, digitales Merchandising aber vor allem die Best Practise Beispiele aus der Praxis Thema – allesamt Träger namhafter Preise, wie Vaund, RoseBike, BonPrix, Swarovski, etc.

 

RBN: Welche Zielgruppe sprechen Sie mit Ihrem Event an?

Schnödt: Wir sprechen beide Seiten an – sowohl Einzelhändler bzw. ihre Verbände als auch die Ladenbauer, Planer, Integratoren und vor allem Wissensdurstigen.

 

RBN: Welche Lösungen bietet das „Trendforum Retail“ den Teilnehmern an?

Schnödt: Wir sind Up to Date. Die Teilnehmer wollen Innovationen und BestPractise erleben. Somit bieten wir mit PlugandPlay, dem weltweit größten Accelerator, und den Inhalten die neuesten Consumer und Retail Trends. Brand Experience oder Brand Spaces sind für uns keine Fremdworte. Wir wissen, wo die Zukunft des Einzelhandels liegt.

 

RBN: Im Grunde genommen geht es bei dieser Veranstaltung also vorwiegend um die für den Einzelhandel so wichtigen Themen Digitalisierung und Künstliche Intelligenz. Wie bilden Sie diese Themen auf Ihrer Veranstaltung ab?

Schnödt: Mit den zehn erfolgreichsten Start-Ups der TechRetailScene dürften wir dieses Thema auf jeden Fall bedienen. Wir zeigen aber auch auf, dass Digitalisierung nicht im Raum endet. Impressions und Shared Spaces sind die Zukunft von „Experience Economy“.

 

RBN: Nach Omni-Channel und Big-Data stellt der Einsatz von Künstlicher Intelligenz nun einen neuen Meilenstein für den Einzelhandel dar. Und es handelt sich hier nicht um einen künstlich erzeugten Hype, sondern um Realität. Auch wenn wir Kunden es gar nicht so merken, sind wir, laut Experten, speziell im Bereich des E-Commerce, aber auch im stationären Handel, schon heute von jeder Menge KI umgeben. In welcher Form kommt Künstliche Intelligenz im stationären Einzelhandel bereits zum Einsatz?

Schnödt: Diese Frage freut mich natürlich, da ich dieses Thema im speziellen auch als Kernvorlesung an der DHBW durchführe. Unsere Workshops ergeben in Summe immer das gleiche Bild – KI wird langfristig alle Punkte der Wertschöpfungskette CRM eliminieren und die Zukunft der CRM und des Handels neu definieren.

 

RBN: Nicht wenige Experten sind der Meinung, der Handel sei, wie kaum eine andere Branche, prädestiniert für den Einsatz von Künstlicher Intelligenz. Was sind aus Ihrer Sicht die Gründe dafür?

Schnödt: Die Gründe liegen vor allem in der leichten Einschätzbarkeit der Kunden. Diese sind aber sicherlich nicht die Valueerzeuger eines Unternehmens, da KI kopierbar ist. Ich glaube weiterhin an die analoge und physische Zukunft des Einzelhandels. Und wenn ich in den Laden komme, und Herr Leesberg mir meine lang ersehnten roten Schuhe bringt, bin ich glücklich. Denn er kennt meinen Kundenwusch auch ohne KI. Er hat einfach nur die emotionale Intelligenz.

 

RBN: Hierzulande haben bislang (hauptsächlich) die großen Handelsketten angefangen die Vorteile von KI zu nutzen.  Haben in diesem Zusammenhang kleinere Unternehmen einen Nachteil?

Schnödt: KI-gesteuerte Projekte hängen immer am Content und den Daten. Die Frage ist sehr schnell und einfach zu beantworten – es ist nicht möglich für kleine Unternehmen, auf diesen Zug zu setzen. Hier hilft nur persönliche Intelligenz.

 

RBN: Es heißt, der Einsatz der KI sei äußerst vielfältig, und zwar nicht nur unter der für Kunden sichtbaren Oberfläche (Planung, Ressourcennutzung, Preis-, Prozess- und Entscheidungsoptimierung), sondern bis hin zu einer Verbesserung der Customer Journey und der Optimierung des Kauferlebnisses. Wie sehen in diesem Bereich die Möglichkeiten der Nutzung von Künstlicher Intelligenz aus?

Schnödt: Vor 10 Jahren zeigte mir eine Nachbarin meine Google Weltkarte – wo ich überall war. Heute weiß KI was ich in Zukunft tun werde, auf Grund meines aktuellen Verhaltens. Über 70% der Bevölkerung stört diese prediktive Vorhersage kaum. Es erspart den Gang zum Wahrsager. Es erleichtert den Konsum, aber:  Wollen wir das? Diese Frage stellt sich nun leider nicht auf dem Trendforum – da wir hier die Lösungen zeigen, wie es funktioniert, diese Verhaltensweisen positiv für unser Unternehmen zu nutzen.

 

RBN: Sie beschäftigen sich gerade im Kontext Ihrer Veranstaltung „Trendforum Retail“ mit den Trends im stationären Einzelhandel. Wie sieht der Retail der Zukunft aus? Ist es ein Blick in die Glaskugel oder gibt es bereits konkrete Vorstellungen?

Schnödt: Das ist recht einfach zu beantworten. Die Zukunft liegt im Erleben des Produktes. Der Ort des Verkaufs wird kaum noch eine Rolle spielen, es sei denn,  der Händler schafft es, einen eigenen Mehrwert zu kreieren.

 

RBN: Mit wievielen Teilnehmern rechnen Sie und wie sehen dahingehend die Hygienevorschriften während der Veranstaltung aus?

Schnödt: Unsere Veranstaltung ist auf Grund der Hygienevorschriften auf 100 Personen begrenzt – Buchungen können nur noch auf Anfrage gestellt werden, da alle Zusatzprogramme ausgebucht sind. Der Vorabendevent bietet dieses Jahr ein besonderes Highlight und findet in den Räumlichkeiten von LSTNR Space auf einer Fläche von ca. 700m² statt – hier haben wir auf jeden Fall noch ausreichend Plätze frei.

 

RBN: Herr Schnödt, vielen Dank für das Gespräch.

 

Interview: Helmut Lippl