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24.06.2021

Ein RBN-Gespräch mit Angelika Schindler-Obenhaus, COO Gerry Weber, über Nachhaltigkeit und Klimaschutz beim traditionellen Modeunternehmen.

Retailbrandnews: Frau Schindler-Obenhaus, welchen Stellenwert nimmt das Thema „Nachhaltigkeit“ in Ihrer täglichen Arbeit ein?

Angelika Schindler-Obenhaus: Nachhaltigkeit nimmt bei Gerry Weber einen substantiellen Stellenwert ein: Keine Entscheidung wird mehr getroffen, ohne auch die Dimension der Nachhaltigkeit mitzudenken. Darüber hinaus haben wir natürlich einige explizit nachhaltige Projekte und bauen den Anteil nachhaltiger Materialien in unseren Kollektionen schon seit Jahren kontinuierlich aus.

 

RBN: Gerry Weber optimiert gerade seine gesamte Wertschöpfungskette. Warum?

Schindler-Obenhaus: Zum einen haben wir in unserer Supply Chain in zwei vorangegangenen Restrukturierungen schon sehr vieles optimiert. Zum anderen gibt es gerade durch die Pandemie Learnings, die wir hier umsetzen wollen.

 

RBN: Wie wollen Sie das Ziel, eines umweltgerechten Wirtschaftens erreichen?

Schindler-Obenhaus: Wie oben schon erwähnt, überprüfen wir jede Entscheidung auch hinsichtlich der Nachhaltigkeit bzw. der Umweltgerechtigkeit. Überall da, wo es wirtschaftlich sinnvoll ist, wollen wir nachhaltig(er) werden – an vielen Stellen sind wir es schon. Klar ist aber auch: Wir müssen bei aller Nachhaltigkeit immer auch Geld verdienen.

 

RBN: Wo lassen Sie Ihre Produkte herstellen?

Schindler-Obenhaus: Größtenteils in Asien und auch in der Türkei, einen kleinen Anteil darüber hinaus in weiteren europäischen Ländern.

 

RBN: Sie behaupten, dass „der Gedanke des Kreislaufs in der Mode- und Textilindustrie sicherlich einer der besonders zukunftsweisenden, aber auch besonders anspruchsvollen Gedanken sei“. Wie meinen Sie das?

Schindler-Obenhaus: Wir verbrauchen in der Textil- und Bekleidungsindustrie sehr viele Ressourcen. Deshalb ist der Ansatz der Kreislaufwirtschaft für mich besonders wichtig, denn nur so können wir Ressourcen erhalten und wieder nutzen. Besonders herausfordernd u.a. deshalb, weil wir ein hohes Maß an Forschung und Technologie benötigen, um Textilfasern überhaupt sinnvoll zu recyceln, und weil die Kosten hierfür momentan noch sehr hoch sind.

 

RBN: Sie haben bei Gerry Weber bezüglich des Themas „Kreislaufwirtschaft“ vor, eingetretene Pfade zu verlassen und alles neu zu denken. Dazu haben Sie ein Forschungsprojekt mit der Leibnitz Universität Hannover initiiert. Was beinhaltet dieses Pilotprojekt?

Schindler-Obenhaus: Relativ einfach ausgedrückt beinhaltet die Kooperation, dass Gerry Weber in diesem Zusammenhang die Materialien bereitstellt und im Rücktransfer Erkenntnisse zu recyclingtechnischen Fragestellungen ebenso wie zu Konzepten der Bereiche Design for Recycling und Design for Recyclates erhält.

 

RBN: Gerry Weber veranstaltete vom 17. bis 23. Mai dieses Jahres seine Nachhaltigkeitswoche. Was stand auf dem Programm?

Schindler-Obenhaus: Um das Thema Nachhaltigkeit auch bei den Endkund*innen von Gerry Weber verstärkt ins Bewusstsein zu rücken, haben wir die Themen rund um nachhaltige Materialien, Klimaschutz und Menschenrechte auch im Online-Shop noch einmal zielgruppengerecht und besser sichtbar aufbereitet. Zum Launch der neuen Kategorie unter www.gerryweber.com fand dann vom 17. bis 23. Mai eine Nachhaltigkeitswoche auf den Social-Media-Kanälen Instagram, Facebook und Youtube statt. Highlight war ein Livetalk am 20. Mai auf Youtube: Stephanie Dettmann (Gründerin des Naturkosmetik-Labels „Und Gretel“), Sat1-Moderatorin und „Und Gretel“-Markenbotschafterin Marlene Lufen sowie von Gerry Weber meine Mitarbeiterin Verena Kleinohl (Product Marketing & Licence Management) und ich haben über nachhaltige Kosmetik, Mode und einen bewussten Lifestyle gesprochen.

 

RBN: Eine Frage noch zum Thema Visual Merchandising: Welche Materialien setzen Sie am PoS ein, um dem Thema Nachhaltigkeit gerecht zu werden? Sind diese immer umweltverträglich?

Schindler-Obenhaus: Wir planen auch für das VM, nach und nach nachhaltige Materialien einzusetzen. Aktuell sind wir auf der Suche nach Materialien, die optisch zu unseren Marken passen und auch wirtschaftlich für uns Sinn machen. Das ist durchaus eine Herausforderung.

 

RBN: Gerade im Bereich Schaufensterfiguren stellt sich diese Frage im Besonderen, weil es nur noch vereinzelte Unternehmen gibt, die nicht in China produzieren lassen. Das heißt, kann man, gerade bei diesen Lieferanten, die Produktionskette nachvollziehen?

Schindler-Obenhaus:

Auch hier sind wir aktuell noch auf der Suche.

 

RBN: Frau Schindler-Obenhaus, vielen Dank für das Gespräch.

 

Interview: Helmut Lippl

Photo: Gerry Weber