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19.10.2020

Die Kunsthalle München präsentiert erstmals in Deutschland eine Ausstellung über den französischen Modeschöpfer Thierry Mugler (bis 28. Februar 2021). Sie wurde initiiert und produziert vom Montreal Museum of Fine Arts (MMFA) in Kooperation mit der Maison Mugler, die das Couture-Erbe des Designers restauriert hat.

Kuratiert wurde die Schau von Thierry-Maxime Loriot. Die spektakulär inszenierte Retrospektive stellt das facettenreiche Werk des visionären Couturiers, Regisseurs, Fotografen und Parfümeurs vor. Sie versammelt mehr als 150 zwischen 1977 und 2014 entstandene Haute-Couture- und Prêt-à-porter-Outfits, Bühnenkostüme und Accessoires, Videos, Fotografien, Entwurfszeichnungen und Archivmaterialien. Etwa 100 Werke berühmter Modefotografen von Helmut Newton (1920–2004) bis David LaChapelle (*1963), die Muglers Kreationen in Szene gesetzt haben, runden die Ausstellung ab.

„Mein einziges Maß ist die Maßlosigkeit“

In den frühen 1970er-Jahren revolutionierte der als klassischer Balletttänzer ausgebildete Mugler die Mode, indem er den fließenden Bohemien-Looks der Hippie-Zeit futuristische und komplex konstruierte Schnitte sowie skulpturale oder elegante körperbetonte Silhouetten entgegensetzte. Mit seinen Entwürfen verlieh Mugler den Menschen, die er einmal als „zerbrechliche, schöne Geschöpfe“ bezeichnete, heroische Stärke. In Zeiten des Cocooning, des Rückzugs aus der als unüberschaubar und bedrohlich empfundenen Welt ins häusliche Privatleben, schuf Mugler mit Anleihen aus der Welt der Tiere und Mythen ebenso wie aus dem Universum moderner Technik und Architektur glamouröse Panzer, die Frauen in Superheldinnen verwandelten. Er experimentierte dabei mit innovativen Materialien wie Metall, Plexiglas, Kunstpelz, Vinyl oder Latex. „Mein einziges Maß ist die Maßlosigkeit“, sagte Mugler über seine extravaganten Kreationen.

Raffinierte Mischung von Hoch- und Populärkultur

Seine Entwürfe wurden von Stars wie Diana Ross, Liza Minelli, David Bowie, Céline Dion oder Lady Gaga getragen, ebenso schuf er Kostüme unter anderem für die Touren und Videos von Stars wie Beyoncé. Überall auf der Welt gewann Mugler Mitarbeiter für die Umsetzung seiner fantastischen Ideen – darunter Autolackierer und Lederhandwerker, Drucktechniker und Fotografen, Wissenschaftler und Künstler. Charakteristisch für seine Mode ist eine raffinierte Mischung von Hoch- und Populärkultur, in der veredelte Haute Couture und Drag-Show-Drama zusammentreffen. Sie bewegt sich zwischen Elitismus und Massenwirksamkeit, zwischen Tradition und Transgression.

Als brillanter Geschichtenerzähler mit einer Vorliebe für theatralische Performances hat Mugler einige der spektakulärsten Modenschauen seiner Zeit inszeniert. Er entwarf Kostüme für die von der Comédie-Française und dem Festival d’Avignon verantwortete Inszenierung von Shakespeares Macbeth sowie für die Zumanity-Show des Cirque du Soleil und brachte seine eigenen Revuen wie die Mugler Follies in Paris und The Wyld im Berliner Friedrichstadt-Palast auf die Bühne. Als Fotograf und Regisseur schuf er den Videoclip „Too Funky“ des britischen Sängers George Michael, sowie Kurzfilme mit Isabelle Huppert und Juliette Binoche. Sein Werk zeichnet sich durch zahlreiche weitere Kooperationen mit den Größen der Kunstwelt aus – unter anderem mit dem Filmemacher Álex de Iglesia, Innenarchitektin Andrée Putman und bekannten Fotografen wie Helmut Newton, Guy Bourdin, oder Dominique Issermann.

 

Quelle: Kunsthalle München

Beitragsbild:  © Kunsthalle München, Foto: Michael Naumann / Tiefenpixel