Schaufenster bei Woha: kleiner Aufwand, große Wirkung

Jürgen Raab, Marketing Manager bei Woha in Donauwörth, präsentiert sein neues Schaufensterkonzept für die Sommersaison 2020.

Nach fast zwei Monaten pandemiebedingter Schließung darf auch das Kaufhaus Woha in Donauwörth seine Kundinnen und Kunden seit einigen Wochen wieder willkommen heißen – unter strengen Hygienemaßnahmen, versteht sich. In den Schaufenstern des traditionsreichen Kaufhauses hat Jürgen Raab – sozusagen „im Schnellverfahren“ – ein besonderes Konzept für die Sommersaison 2020 realisiert. Dem erfahrenen Visual Merchandiser ist es dabei gelungen, mit minimalem Aufwand, große Wirkung zu erzielen.

Im Gespräch mit RBN erklärt Wohas Marketing Manager  die Idee hinter seinem Konzept, beschreibt die Auswirkungen der Corona-Maßnahmen auf seine Arbeit und den Shopping-Alltag und wirft einen kurzen Blick in die nahe Zukunft.

Portraitfoto von Jürgen Raab

Jürgen Raab, Marketing Manager Woha.

RBN: Herr Raab, Sie haben Ihre neue Schaufensterinstallation unter das Motto „Große Wirkung mit minimalem Aufwand“ gestellt. Würden Sie uns das Konzept dahinter kurz beschreiben?

Jürgen Raab: Sehr gerne, Herr Lippl. Wie sie schon richtig sagten: „Große Wirkung mit minimalem Aufwand“, lautet das Motto. In Folge des Lockdowns war unser Haus sieben Wochen lang geschlossen. Es gab anschließend schlichtweg nicht die Zeit, um etwas Aufwändiges für den neuen Auftritt anzufertigen. Das bereits geplante Konzept habe ich auf Eis gelegt. Ich habe mir stattdessen völlig neue Gedanken gemacht und mir überlegt, wie ich mit wirklich sehr wenig Aufwand und Mitteln unseren Sommerauftritt inszeniere. Unterm Strich sind es lediglich Seile, Schraubhaken und weiße Folie mit denen gearbeitet wurde. Ich habe bei dieser Gestaltung absolut auf die Wirkung von Licht, Schatten, Grafik, Ordnung und die Farbigkeit durch die Ware gesetzt.

Schaufenster bei Woha in Donauwörth mit zwei minimalistischen Figuren, einer Raute aus Seilen und einer stilisierten Ananas.

Sommerschaufenster 2020 bei Woha: „Seile, Schraubhaken und weiße Folie“.

RBN: Sie haben als Sujet die Ananas gewählt. Erklären Sie uns doch bitte, was es damit auf sich hat.

Jürgen Raab: Die Ananas verbinde ich mit Sommer, Sommerfeeling und einem angenehmen Duft. Alles Attribute, die Menschen mögen. Eine Ananas suggeriert für mich Entspannung, Relaxen, warme Tage. Genau diese Ananas, die wir visualisiert haben, habe ich als Sujet gewählt, weil sie sehr schlicht und grafisch ist. Sie besteht aus Rauten in verschiedenen Größen. Die Seile im Schaufenster haben wir rautenförmig angeordnet als Wiederholung der Rauten der Ananas. Die eine Figur in den größeren Schaufenstern habe ich in den Fokus der Gestaltung gestellt, da sie Bewegung verkörpert und sich so von den statischen Figuren abhebt.

 

RBN: Sie haben sehr minimalistische Schaufensterfiguren gewählt, warum?

Jürgen Raab: Weil ich denke, dass es zum Gesamtbild passt. Schlicht, einfach. Ich könnte mir hier keine naturalistischen Figuren zu diesem weißen und zurückhaltenden Konzept vorstellen.

 

RBN: Woran arbeiten Sie aktuell?

Jürgen Raab: Ich arbeite aktuell am Konzept zum Herbststart. Ich habe drei Ideen im Kopf. Jeden Tag verwerfe ich etwas, überlege mir etwas anderes und konzipiere neu. Nehme vom einen Konzept etwas weg und füge es zum anderen dazu. (lacht) Sobald ich das fertige Bild im Kopf habe, kann es los gehen mit den Vorbereitungen.

 

RBN: Was macht das Einkaufserlebnis bei Woha aus?

Jürgen Raab: Ich denke es gibt sehr viele Dinge, mit denen wir unsere Kunden begeistern. Wir sind ein Kaufhaus mit Vollsortiment. Das heißt, unsere Auswahl ist riesig. Ich versuche alle Produkte, die wir anbieten in Szene zu setzten. Egal ob Mode, Handtaschen, Deko- oder Sportartikel, etc. … Wir versuchen durch all unsere Präsentationen die Kunden zu begeistern. Hinzu kommt die persönliche und professionelle Beratung durch unser Team. Über alles was wir anbieten, wissen wir absolut Bescheid. Unser Team berät sehr intensiv und ehrlich. Wenn etwas für den Kunden ungeeignet ist, wird das auch gesagt. Und, ganz wichtig, wir nehmen uns für jeden Kunden Zeit, bis er das Passende gefunden hat. Wir bieten einen großen, kostenlosen Kundenparkplatz direkt am Haus. Zweifelsohne auch ein wichtiger Faktor, der zum entspannten Shoppen beiträgt. Wir haben einen Baby-Wickelraum, eine Kinderspielecke. Alles aufzuzählen würde sicher den Rahmen sprengen.

 

RBN: Nun muss ich doch noch ein Wort zur Corona-Krise verlieren: Schließlich hat(te) sie enorme Auswirkungen auf den Einzelhandel. Wie haben Sie die Phase des Lockdowns und vor allem den anschließenden Neustart bei Woha erlebt?

Jürgen Raab: Der Lockdown und die damit verbundene Hausschließung war natürlich ein Schock. Niemand hätte doch am Anfang der Pandemie damit gerechnet, was letztlich alles auf uns zu kommt. Während der gesamten Zeit der Schließung haben wir versucht mit unseren Kunden über Facebook und Instagram in Kontakt zu bleiben. Der Neustart begann in kleinen Schritten, zunächst mit der Öffnung unserer Sportabteilung auf 800 Quadratmetern. Über die Resonanz haben wir uns riesig gefreut, auch nach der Öffnung unseres gesamten Hauses. Unsere Kunden haben uns die Treue gehalten und kamen vom ersten Tag an zum Einkaufen.

 

RBN: Welche Sicherheits- und Hygienemaßnahmen gibt es im Haus und wie sehr beeinflussen diese den Alltag für Kundinnen und Kunden aber auch für MitarbeiterInnen des Hauses?

Jürgen Raab: Bevor wir das ganze Haus öffnen durften, haben wir alle Kassen zum Infektionsschutz mit Plexiglas ausgestattet. Wir brachten Bodenmarkierungen zur Abstandseinhaltung an. An jedem Eingang gibt es Desinfektionsständer, wie auch in den Kassenbereichen. Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter tragen natürlich Mund- und Nasenschutz. Wir arbeiten mit zwei Teams in jeder Abteilung, die sich nicht begegnen. So langsam kehrt ein „normaler“ Alltag ein, in etwa zumindest.

 

RBN: Nachdem die Kaufhäuser, Läden und Shopping-Center wieder öffnen durften, musste der Handel erkennen, dass die Menschen zunächst noch sehr zurückhaltend waren. Haben Sie das Gefühl, dass die Kauflaune bei den Kundinnen und Kunden langsam zurückkehrt?

Jürgen Raab: Ja, absolut. Wie gesagt, es kehrt das „normale“ Leben jeden Tag wieder mehr ein und zurück. Alle gewöhnen sich immer mehr an die Abstands- und Hygieneregeln. Der Mund- und Nasenschutz ist manchmal lästig, aber auch daran hat man sich ein Stück weit gewöhnt. Das Thema Corona ist natürlich nach wie vor überall sehr präsent. Wir möchten versuchen, unsere Kunden durch Inszenierungen, spannende Präsentationen, tolle Beratung und einer angenehmen Atmosphäre ein wenig abzulenken und in unserem Haus herzlich willkommen zu heißen.

 

RBN: Herr Raab, vielen Dank für das Gespräch.

 

Interview: Helmut Lippl

Fotos: Herry Foe

www.woha.de