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09.03.2021

VM Manager Franchise & Concession für die Region D-A-CH der PVH Holdings GmbH (Tommy Hilfiger & Calvin Klein)

“Das wichtigste ist, dass wir den stationären Handel zurückerobern“, so lautet das Fazit von Guido Hoffmann auf die Frage nach den Auswirkungen und Erkenntnissen der Corona-Krise, die für den erfahrenen Experten für visuelles Marketing allerdings auch eine ganze Reihe von positiven Veränderungen mit sich brachte. „Tatsächlich lenkte die Pandemie das Familienleben wieder in eine etwas normale Bahn, da mich meine Frau und meine Kinder durch das ständige Reisen nur selten gesehen habe […] Das Homeoffice wurde zur ´Normalität´ für mich und hat mir viele lange Fahrten ins Büro erspart. Das war eine enorme Entlastung für mich“, fasst der VM Manager die  Begleiterscheinungen der letzten Monate zusammen.

Sehnen nach nachhaltig schönen Einkaufserlebnissen

Man habe in der Krise eine Reihe neuer und kostenbewusster Wege der Kommunikation gefunden. Viele teure Reisen zu globalen Meetings entfielen und würden durch virtuelle Verfahren ins eigene Wohnzimmer projiziert. „Dass wir hier auf die alten und vorher üblichen Prozedere zurückfallen, halte ich für eher unwahrscheinlich“, so die Einschätzung Hoffmanns, der im Bereich des Shoppings jedoch sehr wohl auf eine Rückbesinnung auf vorherige Verhaltensmuster setzt: „Das Online-Business und Click & Collect werden sicherlich vielen Händlern unter die Arme gegriffen haben, ersetzen jedoch nicht den persönlichen Kontakt zu den Kundinnen und Kunden und das nachhaltig schöne Einkaufserlebnis, nach dem sich so viele Menschen sehnen. Ich bin überzeugt davon, dass er stationäre Handel zusammen mit der Kaufkraft und -lust der Kunden dem Onlinegeschäft trotzt.“

Kreativer Input

Guido Hoffmann selbst kann auf viele Jahre im Bereich des Einzelhandels und der Verkaufsförderung zurückblicken. Einer Ausbildung im Bereich visuelles Marketing bei einem Herrenausstatter folgten verschiedene Weiterbildungsmaßnahmen im Projektmanagement/Team Lead und auch als Ersthelfer im Betrieb (Trainerschein). „Schon parallel zu meiner Ausbildung habe ich oft einem selbständigen Dekorateur bei seiner Arbeit geholfen. Meist ging es dabei um den Bau von Blickfängen für Schaufenster sowie die Unterstützung bei Messeaufbauten. Später hatte ich auch eigene Jobs in Studios, die sich auf das Shooting von Gardinen und Vorhängen spezialisiert. Danach habe ich mich dann auch selbstständig um Schaufensterdekorationen für einen Teppichladen und einen Friseursalon gekümmert. Am langen Donnerstag habe ich nach Arbeitsschluss noch nebenbei im Verkauf gearbeitet, wo mein damaliger Abteilungsleiter auch meine Stärken sah. Die Lehrzeit war dadurch sehr vielseitig mit viel kreativem Input.“

Arbeit im Storemanagement und VM

Nach seiner Ausbildung absolvierte Guido Hoffman seinen Wehrdienst, ehe er sich in verschiedenen Branchen als Visual Merchandiser bewarb. Nachdem er auch intensiv über Selbstständigkeit nachgedacht hatte, zog es ihn dann doch zunächst zu seinem alten Arbeitgeber zurück. „Allerdings nicht direkt als Schauwerbegestalter, da die aktuelle Stelle in meiner Region noch nicht frei war. Mir wurde eine Fortbildung angeboten, um dann später eine kleine Zweigstelle des Unternehmens im Bereich Storemanagement & VM zugleich zu übernehmen. Diese Variante war sehr vielversprechend und ein toller Job, der mir viel Spaß gemacht hat.“

Wechsel zu Diesel

Eineinhalb Jahre danach erfolgte der Wechsel zu DIESEL, wo Hoffmann als erster VM Coordinator für die Planung und visuelle Betreuung von Shops in Shops, Showrooms und dem PoS für Deutschland zuständig war. „Das Unternehmen wuchs und somit auch meine Aufgaben. Ich bekam meinen ersten Mitarbeiter, mit dem ich mir die Arbeit teilte und auch Verantwortung übernahm“, erinnert sich Guido Hoffmann, der sich fortan vom Office aus mehr um die konzeptionelle Planung und die Steuerung der VM-Maßnahmen konzentrierte.

Wechsel zur PVH Holding

Nach insgesamt 20 Jahren im Unternehmen wurde der erfahrene Visual Merchandising Experte schließlich im Oktober 2017 von der PVH Holding für den Bereich VM Management Franchise abgeworben, wo er seitdem für die Region D-A-CH mit 58 Stores und fünf eigenen Mitarbeitern verantwortlich ist. „Durch die Betreuung der Franchise Unternehmen hatte ich persönlich intensiven und engen Kontakt zu den Partnern, um entsprechende VM Maßnahmen & globale TH Guidelines je nach Standort und Gegebenheiten mit dem Team auszuarbeiten und umzusetzen. Wir kümmerten uns um regelmäßige und nachhaltige VM-Schulungen und die Weiterentwicklung der Storemitarbeiterinnen, denen wir die globalen Guidelines saisonal in lokalen Trainings immer wieder neu und individuell vermittelt haben. Zuletzt fanden die Trainings, der Pandemie geschuldet, auch auf virtuellem Wege statt.“

Zusätzliche Aufgaben neben dem vielen Reisen und der Zusammenarbeit mit seinem Team auf den Flächen, bestanden für Guido Hoffman auch in der Steuerung und Planung der Window-Budgets und Umsetzungen sowie der Ausarbeitung von Weiterentwicklungsmöglichkeiten aller Stores zusammen mit den einzelnen Franchise Partnern.

Erinnerungen an „alte“ Zeiten

Gerne denkt der begeisterte Sportler, der seine Freizeit am liebsten mit Radfahren und Scaterhockey verbringt, aber auch an die „alte Zeit vor PVH“ zurück, in der die unterschiedlichen Themen „noch deutlich kreativer und selbstständiger erarbeitet und umgesetzt werden konnten“. Heute, so Guido Hoffmann weiter, werde der Background und kreative Input von Kollektionsthemen bei der Gestaltung von Fenstern und Instore-Flächen nicht mehr so intensiv berücksichtigt. „Es gab Zeiten, da haben wir die Kollektionsthemen und Inhalte visuell nachgestellt und in den Fenstern bis zum P0S wie einen roten Faden transportiert. […] Heute bestehen die Fenster eher aus Konzeptionen, Kunstwerken oder sind Design-orientiert. Das Kollektionsthema selbst ist Nebensache und wird letztendlich, wenn überhaupt, nur über einem Windowsticker kommuniziert.“

Weiterentwicklung des VM

Generell, so der VM Manger Franchise & Concession, der die PVH Holdings GmbH zum 31. Mai 2021 verlassen wird, habe sich das Visual Merchandising in den letzten Jahren enorm weiterentwickelt. Die Inszenierung, wie man sie noch vor einigen Jahren kannte, reicht lange nicht mehr aus, um einen gezielten und kontrollierten Abverkauf zu gewährleisten. Vielmehr gehe es darum, Warensortimente je nach Standort, Fläche, Markenumfeld und Kaufkraft einzukaufen und darzustellen. „Unsere Aufgabe als VM ist es, sich hier stets weiterzuentwickeln, den Markt und den POS zu beobachten und entsprechende Maßnahmen zu treffen, um jedes Produkt an dem jeweils richtigen Platz auf der Fläche aufzubauen“, weiß Guido Hoffman, der sich selbst als „immer gut drauf und voller Energie“ beschreibt. „Mich bringt tatsächlich nichts aus der Ruhe und ich schätze mich selbst als Organisationstalent“, verrät der Familienvater, der es liebt mit Frau und Kindern Campingurlaube zu machen und seine Freizeit darüber hinaus gerne mit Freunden in geselliger Runde verbringt.

Zukunftspläne

Was seine Pläne für die Zeit nach PVH angeht, so blickt der Noch-VM Manager auch hier ziemlich gelassen in die Zukunft und freut sich nach „all den Jahren auf der Autobahn mit Staus, Stress und vielen Reisen“, vor allem erst einmal darauf „einfach runterzukommen“. „Es fühlt sich auch gut an einmal an nichts zu denken, sich um das wesentliche zuhause und die Familie zu kümmern und gemeinsame Zeit zu verbringen. Mal sehen, wo mich die nächste Reise hinführen wird und welche Herausforderungen auf mich warten. Denn ich bin auch kein Mensch, der rastet und sehr gern mit lieben Kollegen zusammen tolle, neue Projekte stemmt.“

Nein, er wird nicht rasten, denn: seine Frau Sylvia führt seit über zehn Jahren ein Sozialkaufhaus mit dem Namen: „Stöberland, wohne und mehr in Altena“.  Sie ist hier sehr engagiert und auch erfolgreich und hat viele tolle Ideen sowie eine große Stammkundschaft aufgebaut. „Durch meine Jobs und den vielen Reisen hatte ich eigentlich nie richtig Zeit, um sie im Laden und auch den Familienaufgaben zu unterstützen“, so Guido Hoffmann und meint weiter: „durch meinen Weggang von PVH ergibt sich nun auch für mich die Gelegenheit und vor allen Dingen die Zeit, meine Frau zu unterstützen sowie meine Erfahrungen und mein Wissen aus dem Retail-Bereich einzubringen“.

Seit Wochen sei er bereits voll im Geschäft involviert und so werde er künftig so viel Zeit wie möglich investieren, um das BackOffice und das Marketing zu übernehmen sowie seinen kreativen Input ins Geschäft einzubringen, sagt der VM-Experte. Mit seinem Engagement will er gemeinsam mit seiner Frau und ihrem Team das „Stöberland“ noch erfolgreicher machen als es eh schon ist.

 

Beitragsfoto: Guido Hoffmann

HL