30.09.2020

Die Corona-Pandemie hat ein Beben im Einzelhandel ausgelöst und viele Gegebenheiten auf den Kopf gestellt. Manche Trends werden verstärkt, andere umgekehrt und an mehreren Stellen hat eine Spaltung des Handels stattgefunden. Allein die Unterteilung in systemrelevant und nicht-systemrelevante Sortimente und großflächig oder nicht-großflächig hat verschiedene Entwicklungslinien begünstigt.

„Von dem veränderten Einkaufsverhalten der VerbraucherInnen während der Pandemie profitieren insbesondere die Fachmarktlagen. Ein verändertes Mobilitätsverhalten könnte aber auch Perspektiven für manche Klein- und Mittelstädte aufzeigen – das ist nur kein Selbstläufer“, erklärt Lena Knopf, EHI Projektleiterin Immobilien + Expansion, ein Ergebnis des Whitepaper Expansionstrends 2020, das das EHI im Auftrag der Hahn Gruppe herausgibt.

One-Stop-Shopping statt Erlebniskauf

Was noch vor Corona ein Erlebniskauf in der Freizeit war, ist besonders während der Hochphase von Corona zur Bedarfsdeckung geworden. Die neuen Rahmenbedingungen haben Lagen wie z.B. Fachmarkt-Center begünstigt und andere benachteiligt. Als potenziell größte Verlierer kristallisieren sich die Shopping-Center heraus. Lena Knopf: „Fashion- und zuletzt zunehmend gastronomielastige Shopping-Center leben vom unbeschwerten Einkaufsbummel, ihrer Treffpunktfunktion, von Events und langer Verweildauer bei hoher Aufenthaltsqualität.

Dieser Positionierung hat Corona nun zumindest kurzfristig den Boden unter den Füßen weggezogen.“ Der weitere Verlauf in der kalten Jahreszeit und die Dauer der Corona-Pandemie wird zeigen, wann und wie sehr die Menschen wieder diese Form des Shoppingerlebnisses suchen. Die Fachmarkt-Center Lagen waren im Vorteil, denn viele Mieter in diesen Centern hatten auch während des Lockdowns geöffnet und waren aufgrund ihrer Systemrelevanz sehr gut frequentiert. Mehr als die Hälfte der Befragten erwartet, dass Fachmarkt-Center sich auch langfristig positiv entwickeln und weiterhin profitieren werden und jede/r Dritte sieht diesen positiven Trend für Mixed-Use-Immobilien.

Expansion auf der Pause-Taste

Bei der Expansion von Vertriebslinien herrscht nach Corona eine Trendumkehr: Erstmals seit Beginn des Monitorings will die Mehrheit der Händler das Filialnetz nicht weiter ausbauen. Gründe hierfür sind hohe Mieten (79 Prozent der Befragten sehen hierin eine hohe bzw. sehr hohe Bedeutung) und die schwierige Suche nach geeigneten Flächen (76 Prozent sehen hierin eine hohe bzw. sehr hohe Bedeutung). Größere Verkaufsflächen je Filiale gibt es nur im Lebensmitteleinzelhandel.

Für die Klein- und Mittelstädte im Umfeld von Großstädten könnte Corona einen neuen Impuls geben: In dem veränderten Mobilitätsverhalten und Homeoffice sehen 51 Prozent eine Chance für deren Entwicklung. Auch eine vermehrte Mischnutzung von Lagen könnte für die Städte und Shopping-Center eine Strategie aus der Krise sein. Diese schafft mehr Lebendigkeit auch nach Ladenschluss, mehr Vielfalt und dadurch eine beständigere Frequenz. Der Handel steht dem Mixed Use jedenfalls grundsätzlich offen gegenüber: In alternativen Nutzungsmöglichkeiten – etwa als Büros, Wohnungen oder Arztpraxen – sehen die mindestens 85 Prozent der Befragten für eigenen Filialen einen positiven Nutzen oder stehen ihnen neutral gegenüber.

 

Quelle: EHI Retail Institute