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11.08.2020

Ein RBN-Gespräch mit Markus Xyländer, CEO der F.G. Meier GmbH, zur aktuellen Krise im stationären Einzelhandel und damit einhergehend in der VM-Industrie, über die diesjährige EuroShop und Innovationen aus dem Hause Meier.

 

Retailbrandnews: Herr Xyländer, die Corona-Pandemie hat die Weltwirtschaft in einen Schockzustand versetzt. Wie haben Sie den Lockdown privat und geschäftlich erlebt?

Markus Xyländer: Meine Familie und ich sind sehr gut und vor allem gesund durch den Lockdown gekommen. Ich bin auch täglich in die Agentur gefahren. Wir haben zwar sehr schnell auf Homeoffice umgestellt, haben aber gerade in der Produktion und im Backoffice „normal“ weitergearbeitet. Daher war es eigentlich wie immer und ich hatte meinen gewohnten Rhythmus.

 

RBN: Welche Folgen hatte und hat die Corona-Krise für Sie und Ihre Mitarbeiter?

Xyländer: Zum Glück keine. Wir haben wie wahrscheinlich viele Unternehmen Kurzarbeit angemeldet. Aber wie schon erwähnt haben wir sehr schnell auf Homeoffice umgestellt bzw. es den Mitarbeitern freigestellt von wo aus sie arbeiten. Und ich muss sagen es hat fantastisch funktioniert. Ganz ehrlich: besser als gedacht.

 

RBN: Fühlen Sie sich von der Politik unterstützt?

Xyländer: Ja absolut. Hier gibt es nichts zu beanstanden.

 

RBN: Durch die Schließung der ca. 70 Karstadt-Kaufhof-Filialen scheint es, als würden die Warenhäuser in Deutschland in absehbarer Zukunft der Vergangenheit angehören und als würde sich das Bild der Innenstädte wesentlich verändern. Wie beurteilen Sie die Entwicklung?

Xyländer: Um ehrlich zu sein habe ich diese Befürchtung auch. Die Handelslandschaft wird sich dramatisch verändert. Vor allem muss es den Warenhäusern gelingen Begehrlichkeit zu wecken und sie müssen den Kundinnen und Kunden einen Mehrwert bieten. Diese ist dann wiederum aber auch eine riesige Chance für Unternehmen sich weiter zu entwickeln. Ein „weiter so“ kann und darf es nicht geben.

 

RBN: Im Februar dieses Jahres, kurz vor dem Lockdown, hat in Düsseldorf noch die EuroShop stattgefunden. F.G. Meier hat sich im POPAI Village präsentiert. Wie bewerten Sie Ihr EuroShop-Engagement und die diesjährige Ausgabe der Messe allgemein?

Xyländer: Wir hatten einen sehr kleinen Stand, was uns als F.G Meier sehr gut zu Gesicht stand. Wenn man es als Kennziffer ausdrücken würde, kann ich sagen, dass wir eine extrem hohe Quadratmeterproduktivität hatten. Wir haben an den fünf Messetagen über 250 qualitative Gespräche. Gerade zu unserem neuen Warenträgersystem FGM FLEX, welches man ohne Werkzeug aufbauen kann bzw. mit dem sich sehr schnell neue Erlebniswelten schaffen lassen.

 

RBN: Der Lockdown kurz nach der EuroShop muss doch für viele Aussteller ein wirtschaftliches Fiasko bedeuten. Man investiert Unsummen an Geld in den Messeauftritt und erhofft sich danach natürlich umfangreiche Aufträge. Der Lockdown hat aber dazu geführt, dass die Auftragslage in diesem Jahr und sicherlich auch noch im nächsten Jahr eher schlecht aussieht. Wie kompensiert man solche Investitionen und wie motiviert man sich und seine Mitarbeiter in solch einer Lage?

Xyländer: Da hatten wir Glück im Unglück. Unser Invest war aufgrund der Größe unseres Auftritts sehr überschau- und kalkulierbar. Dazu kam der extrem positive Output, der dann natürlich einen positiven Effekt auch bei unseren Mitarbeitern hatte.

 

RBN: Auf der EuroShop haben Sie auch, wie gerade schon angesprochen, das neue System FMG Flex präsentiert. Es handelt sich dabei um ein modulares Ladenbausystem. Beschreiben Sie uns doch bitte, welche Vorteile das FMG Flex für Retailer mit sich bringt.

Xyländer: Jeder, wirklich jeder, kann dieses System aufbauen. Es ist aufgrund unseres Patentes werkzeuglos. So lässt sich mit wenigen Handgriffen ein neues Präsentationstool aufbauen – in Farbe, Form und Größe völlig individual anpassbar.

 

RBN: Ein vielseitiges System also, das sich je nach Bedarf anpassen, rekonfigurieren und immer wieder neu einsetzen lässt. Vom Prinzip her auf jeden Fall nachhaltig konzipiert. Spiegelt sich das Thema Nachhaltigkeit auch in Sachen Material/Herstellung wider?

Xyländer: Der Begriff Nachhaltigkeit trifft hier voll zu. Die Streben sind aus Metall, die Verbindungsteile und Ecken aus einem speziellen Kunststoff. Lagerkosten und Versand sind durch die Konstruktion extrem niedrig.

 

RBN: Das FMG Flex ist also nicht nur flexibel einsetzbar und veränderbar, sondern lässt sich auf Kundenwunsch auch an die Brand Identity anpassen. Welche Möglichkeiten haben ihre Kunden, wenn sie eine maßgeschneiderte Lösung des FMG Flex anstreben?

Xyländer: Farbe, Form und Größe sind kundenindividuell anpassbar. Ebenso können wir die Eckverbinder veredeln. Etwa in Chrom, Gold oder Kupfer. Das bedeutet, dass wir ein Standartsystem entwickelt haben, was auf der einen Seite ein sehr, sehr gutes Preis- Leistungsverhältnis hat, sich aber zum anderen bis in das kleinste Detail individualisieren lässt.

 

RBN: Herr Xyländer, noch eine abschließende Frage zur Post-Corona-Welt. Wie wird künftig der stationäre Einzelhandel aussehen – und unser Einkaufsverhalten?

Xyländer: Aus meiner Sicht haben sich die Kunden während der Pandemie an den Online- Konsum gewöhnt. Daher gilt es, die Kunden in den Stores zu begeistern und ihnen einen Mehrwert zu bieten. Das fängt bei der Beratung an und geht über die Atmosphäre im Laden bis hin zum Kassiervorgang. Menschen treffen sich gerne, wollen kommunizieren und wollen gesehen werden. Aus diesem Grund gibt es schon seit dem Mittelalter Märkte. Dieses in den Menschen tief verankerte Verhaltensmuster müssen wir nun nutzen und unseren Kunden ein Erlebnis bieten.

 

RBN: Vielen Dank, Herr Xyländer, für das Gespräch.

 

Interview: Helmut Lippl