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10.08.2020

Unternehmensberater, Buchautor und Trendexperte – Gründer des Netzwerks TeamScio (1999) und der Plattform Trendforum Retail (2018).

Schon von Kindesbeinen an stand Daniel Schnödt im Einzelhandelsbetrieb seiner Familie. Nach dem Abitur am Graf Staufenberg Gymnasium in Bamberg folgte zunächst ein Studium der Betriebswirtschaftslehre. „Schon während meines Studiums durfte ich Ende der 1980er Jahre die Praxissemester glücklicherweise beim Who is Who der damaligen Karstadt-Häuser verbringen. In Dortmund, Hamburg, München, Hannover, Augsburg und schließlich ein Jahr im Zentraleinkauf der Herrenkonfektion“, erinnert sich der Retail-Experte, der nach seinem Studium zehn Jahre lang in Führungspositionen bei Karstadt und K&L Ruppert arbeitete. „Anschließend hatte ich das Glück, mehrere Jahre IKEA als externer Trainer in der Führungsentwicklung mit dem Schwerpunkt Visual Merchandising und Flächenoptimierung zu begleiten“, verrät der leidenschaftliche Skifahrer und Taucher, der darüber hinaus Städtereisen zu seinen Hobbies zählt.

Gründung von TeamScio

Die reichhaltigen Erfahrungen, die Daniel Schnödt im Laufe der 1990er Jahre innerhalb der Retail-Branche sammeln konnte, veranlassten ihn schließlich dazu, im Jahr 1999 die Beratungs- und Coachingfirma TeamScio zu gründen. Der Schwerpunkt des Unternehmens liegt seit jeher in der strategischen Optimierung der Leistungsfaktoren Raum und Sortiment. Im Laufe der Jahre bildete sich daraus ein freiwilliges Netzwerk von Trainern und Beratern, mit dem Ziel ganzheitliche Konzepte abwickeln zu können. „Darüber hinaus entwickelte sich eine enge Verbundenheit mit dem Ladenbauverband und dem Handelsverband“, so Schnödt, der im Expertenbeirat des „DLV Store Books“ und in der Jury des nationalen Imagepreises Stores of the Year sitzt.

Über die Jahre hat der erfahrene Unternehmensberater zahlreiche Projekte betreut und erfolgreich umgesetzt. Bis heute macht es ihm nach eigenen Angaben „unglaublich Spaß, Ideen und Vorstellungsbilder der Kunden realtypisch zu übersetzen und zum Erfolg zu führen.“ Er betont: „Projekte, die es mir erlauben ganzheitlich zu arbeiten, also Design und Sortimentsstrategien zu entwickeln, sind dann sicherlich Meilensteine meiner Arbeit.“ Neben der Beratung und dem Coaching von Einzelunternehmen hat der Autor verschiedener Fachbücher inzwischen mehrere Städte bei der Standortentwicklung betreut und musste dabei feststellen, dass Einzelhändler und Gastronomen nicht selten auch lieber einzeln handeln: „Diese Überzeugungsarbeit ist unglaublich anstrengend und manchmal auch ernüchternd. Projekte wie Heilbronn, Bielefeld Sennestadt, Bernkastel-Kues oder meine eigene Heimatstadt Bamberg, erforderten langjährig angelegte Veränderungsprozesse, die nicht immer den erhofften Erfolg gebracht haben.“

Aktuelle Herausforderungen für die Retail-Branche

Die aktuelle Situation innerhalb der Einzelhandelsbranche beschreibt Daniel Schnödt als „disruptiven Einschnitt“, sieht darin aber auch eine „Basis für Veränderung und Evolution“. Laut dem erfolgreichen Berater und Coach sei diese bereits an der extensiven Entwicklung in der digitalen Kommunikation zu erkennen. „Ich erlebe die Pandemie als Accelerator für lange notwendige Veränderungen und stelle fest, dass eine deutliche Effizienzsteigerung meine Arbeit begleitet. Auch mit meinen Kunden haben wir uns auf die Optimierung der Wertschöpfungskette und Verbesserung logistischer Abläufe konzentriert.“

Viele Einzelhändler, so Daniel Schnödt weiter, befänden sich derzeit in einer Art Schockstarre. „Aber gerade müssen Veränderungsprozesse eingeleitet werden. Massive Kundenwanderungen werden uns in den kommenden Monaten begleiten. Das bedeutet vor allem Überzeugungsarbeit. Ich freue mich aber zu sehen, dass sich bereits einige Händler massiv in diesem Prozess befinden. Der Erfolg dieser Vorhaben wird sich sicherlich multiplizieren“, so sein Ausblick in die (nahe) Zukunft.

Blick in die Zukunft des Einzelhandels

Eine Zukunft, die nach Ansicht des Visual Merchandising-Fachmanns von den Begrifflichkeiten Customer Experience und Education geprägt sein wird. Es geht also darum, Erfahrungen rund um das Produkt zu erzeugen. „Die Experience Economy wird den Einzelhandel revolutionieren. D2C wird die Industrie ihre Produkte dem Kunden näherbringen, ohne dass ein Kauf erzeugt werden muss. Dieser wird dann Online oder über andere physische Kanäle befriedigt“, ist sich Daniel Schnödt sicher. Letztlich gehe es darum, die Verweildauer der Kundinnen und Kunden zu erhöhen. Definierte Touchpoints müssten dafür Kurzweiligkeit und Wohlfühlambiente schaffen. Als Vorbilder nennt der Trendscout Unternehmen aus der Sportartikel- und Fahrradbranche, die beispielweise mit riesigen Surfwellen oder Fahrradparcours für Retail-Erlebnisse sorgen.

Ein weiterer Punkt, der die Zukunft des Einzelhandels massiv beeinflussen wird, ist der Einsatz moderner Technologien. In diesem Bereich seien laut Daniel Schnödt ohnehin kaum noch Grenzen gesetzt. Sprachsteuerung, E-Learning-Plattformen für Mitarbeiter und Kunden, kommunikationsfähige Spiegel, VR-Techniken, interaktive Screens bis hin zur digitalen Kunst, stünden dem Tracking von Kundendaten als Backendlösung gegenüber (Gesichtserkennung, Aufenthaltsdauer, etc.) „Erkennbar ist die Zurücknahme technischer Lösungen, die offensichtlich für den Kunden keinen Mehrwert mehr bieten. Der technische Overload führt in der Regel zu Verweigerungsreaktionen und Ablehnung beim Kunden. Weniger ist manchmal mehr“, lautet deshalb der Rat des Experten, der vor zwei Jahren das Trendforum Retail ins Leben rief. „Die zunehmende Digitalisierung im Einzelhandel und die spannende Frage der Integration führte 2018 zur Initiierung dieses Netzwerktreffens führender Planer, Integratoren und Retailer. Wir werden diese Plattform in Zukunft deutlich ausbauen“, erklärt Daniel Schnödt mit der Begründung: „Es besteht hier ein immenser Nachholbedarf für digitale Expertisen. Diese Welt ist unglaublich facettenreich und liefert täglich neue Erkenntnisse. Diese Geschwindigkeit ist allein nicht zu bewältigen, was auch für mich eine noch stärkere Netzwerkorientierung bedeutet.“

 

PK