Ausstellung „Life doesn’t frighten me“

© photo: Wolfgang Günzel, Museum Angewandte Kunst, Frankfurt/M, 2020© photo: Wolfgang Günzel, Museum Angewandte Kunst, Frankfurt/M, 2020© photo: Wolfgang Günzel, Museum Angewandte Kunst, Frankfurt/M, 2020© photo: Wolfgang Günzel, Museum Angewandte Kunst, Frankfurt/M, 2020© photo: Wolfgang Günzel, Museum Angewandte Kunst, Frankfurt/M, 2020© photo: Wolfgang Günzel, Museum Angewandte Kunst, Frankfurt/M, 2020© photo: Wolfgang Günzel, Museum Angewandte Kunst, Frankfurt/M, 2020

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Für die Ausstellung „Life doesn´t frighten me – Michelle Elie wears Comme des Carcons“ kopiert Moch Figuren die Mode-Ikone Michelle Elie und stellt sie 53 Mal ins Museum für Angewandte Kunst Frankfurt.

In einer noch nie dagewesenen Operation hat Moch Figuren die Symbolfigur eines  Modelabels eins zu eins abgeformt und in einer Ausstellung präsentiert. Bis zum 3. Januar 2021 stehen im Museum für Angewandte Kunst Frankfurt 53 Kopien von Michelle Elie und zeigen Exponate des impulsiven Modelabels Comme des Garcons.

„Wir bei Moch Figuren sind für maßgeschneiderte Figuren bekannt. Solche Schaufensterpuppen entwickelten unsere Designer und Bildhauer in unserem Studio in Köln regelmäßig in Zusammenarbeit mit Modekunden, Merchandiser oder Fashion Designer“, sagt der Inhaber des Kölner Traditionsunternehmens, Dr. Josef Moch und fügt hinzu: „Dieses Mal waren unser Auftraggeber die Kuratoren des Frankfurter Museums sowie Michelle Elie selbst“.

„Im Schaffungsprozess dieser Mannequins hat uns die lebensfrohe Michelle regelmäßig aufgesucht und uns in unserer Zusammenarbeit erheitert“, berichtet Dr. Moch weiter. Die im Museum ausgestellten Teile sind die Modelle, die Michelle in ihrer Karriere auf den internationalen Modesalons vorgeführt hat und sammelt. Dabei entstand eine umfangreiche Galerie von auffälligen bis provozierenden Stücken, oft sind es Unikate.

So, wie sich die Kollektion gegen gesellschaftliche Normen positioniert, so ungewöhnlich war das Vorhaben, die Protagonistin Michelle Elie von Moch Figuren nachzubilden und im Kölner Betrieb von Moch produzieren zu lassen. „Wir sind stolz auf dieses einzigartige Projekt, das in der Modewelt seinesgleichen sucht“, erklärt Dr. Moch und ergänzt: „Genauso beflügelt es uns, dass die Ausstellung in Frankfurt in einem großartigen und architektonisch wertvollen Museumsbau des MAK stattfindet“.

Body meets Dress, Dress meets Body

Michelle Elies innige Beziehung zur Marke beginnt 1997 mit dem Erwerb eines Outfits aus der Frühjahrskollektion „Body meets Dress, Dress meets Body“. Dieses ist nicht nur in der Ausstellung zu sehen, sondern auch Zentrum einer von Elies Erzählungen in der Ausstellung: Rock und Oberteil entdeckt sie in einer New Yorker Boutique. Sie ist von den außergewöhnlichen Formen, den Polsterungen und Ausbuchtungen des Stoffes fasziniert, scheitert in der Umkleide allerdings an dem Versuch, das Outfit anzuprobieren. Später in Köln bereut sie, die Teile nicht gekauft zu haben. Mit etwas Glück trifft sie dort in einem Laden auf einen Sammler, der das Outfit besitzt. Es gelingt ihr, ihn zu überzeugen, es ihr zu verkaufen. Während ihrer ersten Schwangerschaft trägt sie es für ein Fotoshooting und berichtet, wie für sie die Ausformungen des Kleides mit der Tranformation ihres eigenen Körpers korrespondierten.

Fragen der Repräsentation

In der Ausstellung verbinden sich ein hedonistischer und lebensfroher Blick auf die Mode aus der Perspektive eines kompromisslosen Fans mit pragmatischen Antworten auf Fragen der Repräsentation. Michelle Elie wurde in Haiti geboren und wanderte als Jugendliche mit ihrer Familie nach New York aus. Dort studierte sie später an der New York University und arbeitete mehrere Jahre als Model, obwohl sie nicht den damaligen Modelstandards entsprach. Elie gestaltete sich stets ihren eigenen Raum und schafft dadurch bis heute Präsenz und Sichtbarkeit. Sie betont, dass es vor allem Rei Kawakubos, Gründerin des Modelabels „Comme des Garcons“ 1969, klare Positionierung gegen die Schönheitsideale der Modewelt waren, die ihr dabei geholfen haben, sich selbst und ihren Körper zu akzeptieren und eigene Visionen von Körperlichkeit zu entwickeln.

Entsprechend wurde auch eine Entscheidung für Schwarze Mannequins in der Präsentation der Kleidung in der Ausstellung im Museum Angewandte Kunst in Frankfurt getroffen. Sie sind zum einen vom Abbild Elies speziell in der Kölner Figurenmanufaktur Moch gefertigt, zum anderen kontern sie die Unterrepräsentation von Schwarzen Menschen und People of Colour in der Geschichte und Gegenwart der Mode- und Kunstwelt.

Vom Laufsteg auf die Straße

Sogenannte Streetstyle-Fotografien, die in den letzten Jahren von Michelle Elie auf den Pariser Straßen und Plätzen während der Fashionweek aufgenommen wurden, bilden einen weiteren Aspekt der Frankfurter Ausstellung. Streetstyle-FotografInnen haben in den letzten zehn Jahren den Fokus vom Laufsteg auf die Straße verlagert; von den Models, die Designentwürfe präsentieren, auf die aufwendig gestylten Fashionweek-BesucherInnen. Die Bilder in Magazinen und sozialen Netzwerken begründeten ein neues Genre, zu dem Michelle Elie entschieden beiträgt. Mit rund 19.000 Followern auf Instagram ist sie durch ihren eigenwilligen Stil selbst zur Modeikone und erfolgreichen Influencerin geworden.

Darüber hinaus werden zwei Filme: „Sitting in a Cloud“ und „The Fashion Teller“ gezeigt, in dem der Regisseur Gianluca Matarrese Michelle Elie bei ihren Besuchen auf den Pariser Fashion Weeks begleitet. Wir sehen Elie, die mittlerweile bei vielen Fashionshows in der ersten Reihe sitzt, in ihrem Element und in Interaktion mit Models und nicht zuletzt die Erfüllung eines lang ersehnten Traums: einem Treffen mit ihrer persönlichen Heldin, Rei Kawakubo.

Öffentliche Führungen

Das Museum bietet weiterhin öffentliche Führungen zu den Ausstellungen an. Da die TeilnehmerInnenzahl auf max. zehn Personen beschränkt ist, um die erforderlichen Hygienemaßnahmen einzuhalten, bittet das Museum um vorherige Anmeldung unter: create.angewandte-kunst@stadt-frankfurt.de oder Tel: 069/21238522. Termine finden Sie auf der Website des Museums.

Aufgrund der aktuellen Lage, Beschlussfassung der Bundesregierung und der Länderchefs bezüglich des Teil-Lockdowns ab dem 2.11.20 für vier Wochen und damit einhergehend der Schließung der Museen während diesen Zeitraums,  bitten wir Sie, sich wegen neuer Öffnungszeiten nach dem Lockdown auf der Homepage des Museums zu informieren.

Beitragsbild: Wolfgang Günzel, Museum Angewandte Kunst, Frankfurt/M, 2020

Quelle: Museum für angewandte Kunst Frankfurt

HL