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01.09.2020

Selbstständige Gestalterin für visuelles Marketing aus München.

„Ich habe in der Vergangenheit gelernt, dass sich der Sprung raus aus der Comfort Zone tatsächlich lohnt. Auch wenn es anfangs Mut erfordert, eröffnet es danach ganz neue Perspektiven. Neue Türen öffnen sich und ich lerne bei jedem Mal wahnsinnig viel dazu“, äußert sich Anna Tewfik zu ihrem Schritt in die Selbstständigkeit im Jahr 2016. Zuvor hatte die 33-jährige als Head of Visual Merchandising für die Oui Gruppe GmbH & Co. KG gearbeitet. „Als ich Oui nach knapp vier Jahren verließ, stürzte ich mich mal wieder ins kalte Wasser und machte mich spontan selbstständig“, verrät die junge Kreative, deren erste Aufträge vor allem in Kooperation mit VM-Agenturen zu Stande kamen und bei denen es hauptsächlich darum ging, das Visual Merchandising-Konzept für hochwertige Brands auf den POS-Flächen zu übersetzen. „Es folgte eine Zusammenarbeit mit Hugo Boss, wo ich bei den Stylings für die saisonalen Guideline-Shootings involviert war und dann kam auch schon mein erstes Filmprojekt in Polen, für das ich im Kostümbild während der Dreharbeiten mitarbeitete“, beschreibt Anna Tewfik einige ihrer vielseitigen Projekte in den vergangenen Jahren.

Freiberuflerin und Studentin

Generell sei es relativ schwierig ihren Werdegang seit 2016 in einzelnen Schritten wiederzugeben, sagt sie. Vieles passiere parallel. Neben der reinen VM-Tätigkeit übernimmt die Expertin für visuelles Marketing auch Aufträge für kleinere Schaufensterkonzepte oder die Entwicklung/Professionalisierung des Corporate Design für Privatunternehmen. Dazu kommen kreative Kollaborationen mit Künstlern aus anderen Bereichen. „Hier übernehme ich alles, was gestalterisch mit den Bereichen Inszenierung, Rauminstallation, Styling zu tun hat“, so die gebürtige Münchnerin, die seit einem Jahr neben ihrer Selbstständigkeit auch noch Sozialwissenschaften an der Hochschule für angewandte Wissenschaften in der bayerischen Landeshauptstadt studiert. „Das Studium ist für mich eine wichtige Ergänzung, denn man lernt nie aus und ich finde es gerade in Zeiten wie diesen wichtig, sich mit unserem Staat, dem Sozialsystem und dem richtigen Umgang mit Menschen auszukennen und nebenbei mein Coaching zu professionalisieren. Außerdem ist es schön zu sehen, dass ich dort meinen beruflichen Background kreativ integrieren kann.“

Vorliebe für Reisen, Yoga, Musik & Natur

Anna Tewfik liebt das Reisen. Ihre Lebensphilosophie sei eine Mischung aus Yoga, Musik, Natur und Design, sagt sie. Die gelernte Gestalterin für visuelles Marketing, die ihre Ausbildung von 2007 bis 2010 bei Peek & Cloppenburg in Augsburg absolviert hat, reist regelmäßig nach Indien und Nepal. „Dort vertiefe ich mich ins Yoga, lasse mich von der buddhistischen Philosophie lehren und entdecke immer wieder aufs Neue meine Liebe zur Natur. Die Liebe zu den Bergen habe ich in Nepal entdeckt und mit ins heimische Bayern gebracht. Jetzt weiß ich auch hier unsere schönen Berge zu schätzen“, erklärt sie mit einem Lächeln.

Natürlich, so Anna Tewfik weiter, habe das Reisen auch Auswirkungen auf die Arbeit. „Ich komme jedes Mal wieder mit neuem kreativen Input zurück. Ich begegne vielen Menschen und somit auch Kulturen aus aller Welt. Das Spektrum des Erfahrungsaustausches vervielfacht sich – Farben und Formen, Trends, usw. Der Kopf wird wieder frei für Neues“, schwärmt die Selbstständige, die mittlerweile durchaus Gefallen daran findet, ohne feste Anstellung zu arbeiten: „Es geht mir gut. Mein Horizont erweitert sich ständig. Mein Netzwerk wächst stetig. Durch wechselnde Kunden und Kooperationen wächst auch der Erfahrungsschatz und kreative Spielräume öffnen sich auch außerhalb der Mode-Branche. Ich arbeite in abgeschlossenen Projekten und kann meine Zeit größtenteils frei einteilen. Die ´Betriebsblindheit´ trifft nicht ein. Natürlich bedeutet das Ganze eine gewisse finanzielle Unsicherheit. Gerade jetzt mit Corona.“

Erste Aufträge nach der „Corona-Flaute“

Nach zuletzt einem halben Jahr Flaute kommen auch bei Anna Tewfik langsam wieder die ersten Aufträge, wie beispielsweise ein Styling für ein Fotoshooting für Wayfair oder das Merchandising einer POS Fläche für Windsor. „In solchen ´Zwangs-Ruhepausen´ braucht man tatsächlich starke Nerven und Zuversicht. Es ist generell schwierig an direkte Kunden ranzukommen. Kleine Unternehmen machen ihre Gestaltungen noch selbst, größere Unternehmen haben ihre Festangestellten oder arbeiten oft mit Agenturen zusammen. Dennoch möchte ich meine Selbstständigkeit nicht missen, denn das Positive überwiegt“, versichert die ausgebildete Yoga-Lehrerin, die trotz der herausfordernden Situation optimistisch in die Zukunft blickt: „Der Markt stagniert nicht und wächst ständig weiter. Auch jetzt mit Corona geht der Trend weiter in Richtung Nachhaltigkeit, wo viele Firmen mitziehen oder mitziehen werden und sich dementsprechend auch visuell darstellen und vermarkten. Natürlich wird alles digitaler, aber auch hier gibt es viel für uns zu tun, denn auch die Stylings für die Set-Ups müssen passen bis hin zum allgemeinen digitalen Auftritt. Außerdem kann ich mir vorstellen, dass in Zukunft vor Ort auf den Retail-Flächen mehr Wert auf das Coaching der Mitarbeiter im Bereich VM gelegt wird, wenn die Corona Regelungen weitestgehend so bleiben.“

Nachhaltigkeit hat Priorität

Das Thema Nachhaltigkeit spielt im privaten und beruflichen Leben der freiberuflichen Gestalterin ohnehin eine „riesengroße Rolle“, weshalb sie am liebsten ausschließlich für nachhaltige Labels arbeiten würde: „Leider ist das nach wie vor schwierig, aber ich hoffe auf Besserung und dass sich dieses Thema immer mehr in die Köpfe aller Menschen einbrennt. Gerade im Bereich der Mode, auch wenn es ein sehr komplexes Thema und daher nicht so einfach umzusetzen ist. Aber zumindest das Verständnis dafür setze ich voraus. Akut kann ich nur versuchen, weitestgehend mit den verfügbaren Arbeitsmaterialien nachhaltig umzugehen.“

 

PK